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BILDUNG
Presseaussendung vom 19.09.2013

VHS-Veranstaltungsreihe „Der erste Weltkrieg“

Eine historische Einordnung – 100 Jahre danach

An fünf Abenden im September und Oktober 2013 stehen im Wissensturm Vorträge zum Thema “Erster Weltkrieg” auf dem Programm. Die Volkshochschule Linz hat in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Stadt Linz und dem Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Linz ExpertInnen eingeladen, die verschiedene Aspekte zu diesem Thema beleuchten. Die Vorträge finden jeweils am Mittwoch, um 19 Uhr im Wissensturm statt, der Eintritt dazu ist frei. An den letzten beiden Veranstaltungsabenden, am 16. und 23. Oktober stehen gleich zwei Vorträge am Programm.

Eröffnet wird die Vortragsreihe am 25. September durch Bildungsstadträtin Mag.a Eva Schobesberger, die als ersten Referenten Univ.-Prof. Dr. Helmut Konrad begrüßt.

25. September: Moderne und Krieg

Die Zeit vor dem 1. Weltkrieg war geprägt von ungeheurer Beschleunigung und einer umfassenden Globalisierung. Die „Moderne“ mit all ihren Ambivalenzen hatte sich in der „Ersten“ Welt durchgesetzt. Krieg schien undenkbar, gleichzeitig wurde er als „reinigendes Gewitter“ von manchen herbeigesehnt und machte die dunkle Seite der Modernisierung schlagartig sichtbar. Die reale Erfahrung im modernen Krieg entsprach in keiner Weise den Erwartungshaltungen. Das „Zeitalter der Extreme“ wurde eingeläutet.

Vortragender: Univ.-Prof. Dr. Helmut Konrad: Studium Geschichte und Germanistik an der Universität Wien, Vorstand des Instituts für Geschichte der Universität Graz.

2. Oktober: Der Tod des Doppeladlers

Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg

Nach den Morden in Sarajevo stand fest, dass es Krieg geben würde. Kaiser Franz Joseph wollte es, und in Wien rechnete man durchaus mit der Möglichkeit eines großen Kriegs. Österreich-Ungarn war nur deshalb nicht zur Aufgabe gezwungen, weil es immer wieder deutsche Truppenhilfe bekam. Kaiser Franz Joseph willigte unmittelbar vor seinem Tod in eine gemeinsame oberste Kriegsleitung unter der Führung des deutschen Kaisers ein. Das konnte nie mehr rückgängig gemacht werden. Nicht einmal die militärischen Erfolge von 1917 konnten den Zerfall der Habsburgermonarchie verhindern. Ob der Krieg die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts. war, steht zur Diskussion.
Vortragender: Univ.-Prof. HR Dr. Manfried Rauchensteiner: studierte Geschichte und Germanistik, bis 2005 Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien.

9. Oktober: Die Entgrenzung des Krieges

Totalisierungstendenzen der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg

E. Hobsbawm sah im Ersten Weltkrieg ein völlig neuartiges Phänomen der „Kriegsführung“, den „Totalen Krieg“. Bei Kriegsbeginn zeigte sich die „Entgrenzung“ der Kriegsziele weit über den Anlassfall. Referiert werden die Auswirkungen, die der „Krieg“ auf die inneren Strukturen der Gesellschaften der kriegführenden Staaten ausübte: „Front“ und „Heimatfront“, militärisches Aktionsgebiet und „Hinterland“ wurden untrennbar miteinander verschränkt, da es der „Mobilisierung“ aller Ressourcen und Menschen für die Kriegsführung bedurfte. Damit radikalisierten sich mit der Fortdauer des Krieges die Strukturen der Repression und Gewaltanwendung. Die Saat für Bilder und Entwürfe einer neuartigen Organisation der Gesellschaften, die mit den Traditionen des liberalen Verfassungsstaates brachen, wurde gelegt.

Vortragender: Univ.-Prof. Dr. Rudolf Ardelt, ehemaliger Institutsvorstand des Instituts für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte.

16. Oktober: Berta von Suttner: Die Mahnerin gegen den Krieg

Nach dem enormen internationalen Erfolg ihres 1889 veröffentlichten Antikriegsromans „Die Waffen nieder!“ entschloss sich Bertha von Suttner zur Gründung einer Österreichischen Gesellschaft für Friedensfreunde. In den Medien stieß die Initiative auf ein überaus breites Echo unter positiven und negativen Vorzeichen. Unter anderem fingen zahlreiche satirische Zeitschriften damit an, Suttners Werdegang von einer Schriftstellerin zu einer politischen Akteurin, wie auch ihre Ideen über den Weltfrieden mit überwiegend spöttischen oder sogar herabwürdigenden Karikaturen zu kommentieren.

Vortragende: Dr.in Laurie Cohen: MA, Dr.in phil. ist Historikerin und Universitäts-Lehrbeauftragte in Geschichte und Geschlechterstudien Universität Innsbruck und Universität Klagenfurt.

16. Oktober: Adolf Hitler: Der Etappensoldat und sein Kriegsmythos

Vortrag via Skype aus Harvard/USA

Jahrzehntelang galt, dass die Fronterfahrungen im Ersten Weltkrieg Adolf Hitler radikalisiert, politisiert und den künftigen Diktator geschaffen habe. Hitler hatte sich zum tapferen Frontsoldaten stilisiert, dessen Freiwilligen-Regiment, eine verschworene Kampfgemeinschaft, den Keim der späteren NS-Bewegung bildete. Thomas Weber zeichnet jedoch anhand nie ausgewerteter Akten des sogenannten List-Regiments, in dem Hitler diente, ein ganz anderes Bild. Hitler war keineswegs der mutige Soldat an vorderster Front, sondern als Meldegänger meist weit hinter den Frontlinien tätig. Nicht zuletzt kann Weber zeigen, dass Hitler ebenso orientierungslos aus dem Krieg herauskam, wie er hineingegangen war.

Vortragender: Univ.-Prof. Dr. Thomas Weber: studierte Geschichte, Anglistik und Jura an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Direktor des Centre for Global Security and Governance an der University of Aberdeen sowie Fritz-Thyssen-Fellow an der Harvard University.

23. Oktober: Die „Heimatfront“ im Ersten Weltkrieg

Der Begriff Heimatfront wird in der aktuellen Wissenschaftsdebatte zum Ersten Weltkrieg häufig verwendet. Die Heimatfront fasst als Sammelbegriff die Dynamik der im Hinterland agierenden und herrschenden Gesellschaftsgruppen, Ideologien, Geschlechter, Altersgruppen, Wirtschaftsbereiche und das Zusammenwirken und Zusammenprallen der militärischen und zivilen Welt zusammen. Es wird gezeigt, welche Bedeutung der Heimatfront während des Krieges beigemessen wurde und wie sie als wichtige Stütze der Propagandamaschinerie instrumentalisiert und für die Kriegsinteressen mobilisiert wurde – für ein Durchhalten für „Gott, Kaiser und Vaterland“.
Vortragende: Dr.in Julia Walleczek-Fritz: Historikerin und Ausstellungskuratorin, 2010-2012 Stipendiatin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.

23. Oktober: Die gesellschaftlichen Umwälzungen im Gefolge des Ersten Weltkriegs

Der Krieg mit seinen dramatischen Verlusten an Menschenleben und ökonomischen Ressourcen hatte eine soziale Revolution zur Folge. Alle waren davon betroffen. Die Einkommens- und Vermögensverteilung vor 1914 war extrem ungleich. Das oberste eine Prozent der Wiener Bevölkerung erzielte im Jahr 1910 mehr als 25 Prozent der Einkommen. Die Verluste durch die Kriegsanleihen, die Hyperinflation und den Zerfall der Habsburger Monarchie trafen ganz besonders die großen Vermögen und hohen Einkommen. Die sozialen Privilegien waren brüchig geworden. Während die Verluste für die Oberschichten am eklatantesten waren, stellten sie für die Unterschichten eine Existenzbedrohung dar.

Vortragender: Univ.-Prof. Dr. Roman Sandgruber: Institutsvorstand des Instituts für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz.

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