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FRAUEN
Presseaussendung vom 12.10.2006

Marianne.von.Willemer.06 – Frauen.Netzkunst.Preis

Um Netzkünstlerinnen zu fördern und zu würdigen vergibt das Frauenbüro der Stadt Linz in Zusammenarbeit mit dem Ars Electronica Center und mit Unterstützung des ORF zum vierten Mal den mit 3.600 Euro dotierten Marianne.von.Willemer.06 – Frauen.Netzkunst.Preis. Die Verleihung findet am 12. Oktober um 20 Uhr im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Sky Loft des Ars Electronica Centers statt.

Ursprünglich wurde der Preis – der übrigens zu den erfolgreichsten städtischen Kulturwürdigungen zählt – alle zwei Jahre ausgelobt, jedoch als Literatur- und Netzkunstpreis gemeinsam. Seit 2004 sind beide Sparten getrennt. Die Verleihung erfolgt nun jährlich, in den ungeraden Jahren wird der Literaturpreis vergeben, in den geraden Jahren der Netzkunstpreis.

Der Marianne.von.Willemer - Frauen.Netzkunst.Preis ist der einzige seiner Art im gesamten deutschen Raum. Leider ist gerade auf diesem Gebiet der Kunst der Frauenanteil nach wie vor stark unterrepräsentiert. 48 Einreichungen alleine im Jahr 2006 zeigen jedoch, dass es in Österreich eine nicht unbeträchtliche Zahl an Netzkünstlerinnen gibt.

Netzkunst von Frauen

Mit dem Frauen.Netzkunst.Preis sollen neben der direkten Würdigung und Förderung Frauen für die verstärkte Nutzung des Internets in der Medienkunst gewonnen werden. Damit wurde außerdem für Netzkünstlerinnen eine Plattform geschaffen, ihr Können öffentlich zu präsentieren. Es sollen die einzigartigen kommunikationstechnischen und interaktiven Möglichkeiten des Internets genutzt und Netzwerkexperimente angeregt werden.

Die Preisträgerin

Unter den Einreichungen wurde von den Jurorinnen Simone van Groenestijn (Künstlername cym) mit ihrem Werk „No Men`s Land“ (Niemandsland) ausgewählt. In ihrem Projekt verwandelt die Künstlerin reale Situationen an der Grenze von Slowenien, Österreich und der Slowakei – festgehalten durch Fotos – mittels Programmiersprache (HTML) in abstrakte, beinahe poetische Kompositionen. Mit der Verwandlung der realen Fotos entsteht eine Landkarte, die neue Möglichkeiten bietet, die mitteleuropäischen Grenzen zu besuchen – jedoch nur im Internet.

Eine Verwandlung ist jedoch auch umgekehrt möglich. Betätigt der/die BetrachterIn die Taste „view source“, so verwandelt sich die digitale Komposition in das Originalfoto zurück.

Das Projekt „No Men`s Land“  überzeugte die Jurorinnen durch den klar definierten Aufbau, die ästhetisch schöne Umsetzung und den politischen Anspruch.

Zur Person:

Simone van Groenestijn (cym) studierte Grafik Design an der Gerrit Rietveld Academy in Amsterdam. Ihre Tätigkeit als Webdesignerin begann sie 1996. Von 1999 bis 2000 reiste die Künstlerin mit Schlafsack und Laptop durch Europa, auf der Suche nach Beziehungen zwischen Virtual Reality und dem realen Raum. Eine Beziehung, die künstlerischer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist. Aktuell wohnt die Preisträgerin in einem alten Bauernhof in der Ost-Steiermark, wo sie auch ein kleines Kulturzentrum aufgebaut hat. Seit 2001 organisiert und leitet cym regelmäßig Workshops, unter anderem im Forum Stadtpark in Graz. Die Künstlerin reist viel durch Mittel-Europa. Die Eindrücke der Reisen und Projekte sammelt cym mittels Fotos in einer Art Tagebuch auf ihrer Website. Ihre Arbeiten präsentierte cym unter anderem bei:

'Liquid Music', Judenburg, 2002 & 2004; 'International Festival of Computer Arts', Maribor, 2001; 'NetArt Community Congress, Dom Im Berg, Graz, 2003 & 2005; 'Fluss Fotowochen', Wolkersdorf, 2001 & 2004
http://cym.net/nomensland

Anerkennungen

Zwei Beiträgen sprachen die Jurorinnen auf Grund hoher Qualität Anerkennungen aus:

• Miriam Lausegger und Eva Beierheimer für http://www.worte.at
• Hannah Perner-Wilson für „Kein Gedankenloser Transport“ unter http://www.plusea.at/mor.php

www.worte.at


In vielen Fällen lebt die Kunst heute von Text-Beschreibungen. Dabei wird sie oft durch hochspezialisiertes Vokabular übertönt. Das Projekt „worte“ ist eine Sammlung von über 2500 Begriffen, die aus rund 3500 Einzelwörtern bestehen. Die Liste wird ständig aktualisiert und erweitert. Diese "worte" bilden die Bausteine des Textgenerators www.worte.at, welcher das interaktive Erstellen von Kunsttexten auf einfachste Weise ermöglicht. BesucherInnen der Webpage wählen aus der „worte“- Sammlung Begriffe und durch den Textgenerator werden diese zu künstlichen Wortgefügen zusammengesetzt. Außerdem besteht die Möglichkeit, Worte, die noch nicht in der Sammlung stehen, einzufügen.

“Kein Gedankenloser Transport“

In einer Serie von drei Animationen greift Hannah Perner-Wilson Einstellungen der Menschen zu ihrer Mobilität auf und veranschaulicht somit, dass der Mensch ein Teil des Verkehrs und diese Mobilität kein gedankenloser Transport ist.
Die Arbeiten der Preisträgerin und der Anerkennungen sowie von der Jury ausgewählte Einreichungen können ab heute unter www.aec.at/willemerpreis abgerufen werden.

Die Jurorinnen

Expertinnen aus den Bereichen „Neue Medien – Kunst“ beurteilten die 48 eingereichten Projekte:
Prof.in  VALIE EXPORT, Medienkünstlerin und Professorin für Medienkunst
Mag.a Elisabeth Stiftinger, Webkoordinatiorin der Stadt Linz

Warum nur Frauen?

Laut Statistik wurden in den vergangenen 50 Jahren dreimal mehr Männer mit einem Kunstförderpreis ausgezeichnet als Frauen. Frauen müssen durchschnittlich zehn Jahre länger auf eine Würdigung warten als ihre männlichen Kollegen. Außerdem haben die meisten Kunstförderpreise eine Altersgrenze nach oben hin. Frauen, die auf Grund von Kinderbetreuungs- oder Familienpflichten erst später anfangen, sich der Kunst zu widmen, können mit Förderpreisen meist nicht mehr bedacht werden, weil sie die Altersgrenze bereits überschritten haben. 

Um dem entgegenzuwirken, hat der Frauenausschuss des Linzer Gemeinderates unter dem Vorsitz von Gemeinderätin Erika Rockenschaub im Jahr 2000 den Marianne-von-Willemer-Preis initiiert – eine Würdigung und Förderung nur für Künstlerinnen ohne Altersgrenze.

Die Patin „Marianne-von-Willemer“

Die 1784 in Linz geborene Dichterin wurde deshalb als Namensgeberin ausgewählt, weil sie das Schicksal vieler Frauen teilt, deren Werke gestohlen wurden, oder die unter männlichem Pseudonym arbeiten mussten. Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte die im regen Briefwechsel mit Marianne von Willemer entstandenen Gedichte in seinem „Westöstlichen Diwan“ ohne die Verfasserin überhaupt namentlich zu erwähnen.

(Informationsunterlage von Gemeinderätin Erika Rockenschaub und der Linzer Frauenbeauftragten Elvira Tomancok zur Preisverleihung des „Marianne.von.Willemer.06 – Frauen.Netzkunst.Preises“)

Weitere Gesprächspartnerinnen:
Simone van Groenestijn (Preisträgerin)
Miriam Lausegger (Anerkennung)
Eva Beierheimer (Anerkennung)
Hannah Perner-Wilson (Anerkennung) 

www.linz.at/frauen/willemerpreis.
www.aec.at/willemerpreis (neues Fenster) .
cym.net/nomensland (neues Fenster).
www.plusea.at/mor.php (neues Fenster).
www.worte.at (neues Fenster).

Für Medienanfragen:
Birgit Rösler-Nemeth

KONTAKT

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